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Wir müssen Finanzbildung neu denken

Wir müssen Finanzbildung neu denken

Erstveröffentlichung im Wirtschaftregional vom 27.3.2026
Blog_Denkraum_Finanzbildung_Universitaet-Liechtenstein

Finanzbildung hat ein Imageproblem. Sie gilt als trocken, kompliziert und nur für Erwachsene relevant. Deshalb beginnt sie oft zu spät. 

Dabei machen Kinder schon früh erste Erfahrungen mit Geld. Sie beobachten, vergleichen und treffen kleine Entscheidungen. Doch diese Erfahrungen bleiben meist unbegleitet. 

Dass Finanzbildung zu kurz kommt, ist unbestritten. Weniger Beachtung findet jedoch die Frage, ob die bisherigen Vermittlungswege noch funktionieren. Klassische Ratgeber finden kaum Leser, Unterricht bleibt oft abstrakt, und viele Eltern sind selbst unsicher im Umgang mit Geld. Wer nie gelernt hat, mit Geld umzugehen, kann dieses Wissen schwer weitergeben. 

Ein weiterer, selten angesprochener Faktor ist Scham. Viele Menschen wissen nicht genau, wie Zinsen funktionieren oder was Inflation bedeutet – und sprechen nicht darüber. Stattdessen recherchieren sie heimlich und hoffen, dass es schon gutgehen wird. 

Junge Menschen lernen früh, dass man über Geld besser nicht spricht, wenn man unsicher ist. Das führt nicht zu Interesse, sondern zu Rückzug. Finanzielle Themen werden ausgeblendet – und das in einer Zeit, in der finanzielle Entscheidungen immer komplexer werden. 

Wenn Finanzbildung wirksam sein soll, reicht es nicht, ihren Ausbau zu fordern. Entscheidend ist, wie sie vermittelt wird: näher an der Lebensrealität, verständlicher und offener. Dazu gehört auch, neue Zugänge zuzulassen. 

Ein solcher Zugang liegt im Spielerischen. Kinder und Jugendliche lernen nicht durch abstrakte Erklärungen, sondern durch eigenes Ausprobieren. Simulationen, einfache Entscheidungsformate oder digitale Anwendungen können helfen, Zusammenhänge erfahrbar zu machen. Wer selbst erlebt, welche Konsequenzen finanzielle Entscheidungen haben, entwickelt ein besseres Verständnis als durch reine Theorie. 

Junge Menschen erreicht man nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern indem man sie dort abholt, wo sie sich ohnehin bewegen: auf dem Smartphone, in kurzen und klaren Formaten und anhand von Beispielen aus ihrem Alltag. Wichtig ist auch die Botschaft, dass es in Ordnung ist, etwas nicht zu wissen. 

Es geht nicht darum, aus Kindern kleine Finanzexperten zu machen. Es geht darum, ihnen Sicherheit zu geben: die Fähigkeit, Fragen zu stellen, Entscheidungen zu verstehen und sich finanziellen Themen zu stellen, anstatt innerlich abzuschalten. 

Das wäre ein erheblicher Fortschritt. 

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