Island - Reykjavik
Island - Reykjavik
Eine neue Perspektive auf Island
In den ersten Tagen in Reykjavík fiel mir auf, dass sich die Menschen auf der Strasse kaum in die Augen schauten. Jeder schien für sich zu bleiben und seinen eigenen Weg zu gehen. Irgendwie fühlte ich mich dadurch etwas seltsam und nicht besonders willkommen. Doch schon bald wurde mir klar, dass dies einfach zur lokalen Kultur gehörte, und ich konzentrierte mich darauf, sie so zu respektieren, wie sie ist.
Ich kam mit einer offenen Einstellung in ein neues Land und fand es faszinierend zu erleben, wie fast 250 Austauschstudierende aufeinandertrafen. Unterschiedliche Sprachen, Bräuche, Kulturen, Werte und Normen, verschiedene Mentalitäten und vieles mehr. Leider hatte ich nicht die Gelegenheit, viele Isländerinnen und Isländer kennenzulernen. Stattdessen lernte ich viel von Menschen aus anderen Kulturen und Ländern. Die Spanierinnen und Spanier kommen gerne etwas später zum Unterricht, die Französinnen und Franzosen mögen Abgabetermine nicht immer besonders, und die Amerikanerinnen und Amerikaner sind sehr gut darin, Präsentationen zu halten.
Zu Beginn hatte ich allerdings andere Sorgen. Am ersten Tag stand ich beispielsweise im Supermarkt und wusste nicht, ob ich Wasser in Flaschen kaufen musste oder ob man das Leitungswasser trinken konnte. Auch der Supermarkt selbst faszinierte mich, und Google Übersetzer war meine Rettung, als ich Milch suchte.
Ich muss sagen, dass ich mich ziemlich schnell an das Leben hier gewöhnt habe. Da meine Mitbewohnerin ebenfalls aus der Schweiz kommt, hatte ich nie wirklich Heimweh, weil ich immer ein kleines Stück Heimat bei mir hatte. Das hat mir definitiv dabei geholfen, mich in einem fremden Land einzuleben.
Mit meinen Mitbewohnerinnen und Mitbewohnern habe ich grosses Glück, denn ich verbringe viel Zeit mit ihnen. Auch ein von Anfang an festgelegter Putzplan hat unser Zusammenleben deutlich erleichtert. Es gibt nie Diskussionen, weil alle genau wissen, wann sie was erledigen müssen. Da wir eine Waschmaschine in der Wohnung haben, ist auch das Wäschewaschen ganz unkompliziert.
Meine Mitbewohnerinnen und Mitbewohner und ich machen uns das Leben einfach. Wir kochen und essen gerne zusammen und verbringen viel Zeit miteinander. Wir haben gemeinsam Roadtrips unternommen und dieses faszinierende neue Land zusammen erkundet.
Was die Universität betrifft, ist die Universität Reykjavík sehr modern – sowohl technologisch als auch in Bezug auf die Lehrmethoden. In jeder Vorlesung hatten wir Gastdozierende aus aller Welt, die uns unterschiedliche Perspektiven näherbrachten. Kurz gesagt: Die Universität vermittelt einem hier alle möglichen Arten von Wissen – natürlich strukturiert –, und es liegt an einem selbst, das Beste daraus zu machen und sich auf die Bereiche zu spezialisieren, die einen besonders interessieren. Eine Art «Bulimielernen» gibt es hier also nicht.
Nachdem ich einen grossen Roadtrip einmal rund um die ganze Insel gemacht hatte, verliebte ich mich immer mehr in das Land. In Island gibt es keine richtigen Bäume, sondern hauptsächlich Büsche und kleine Pflanzen. Obwohl die Vegetation sehr begrenzt ist, erlebt man die Lebendigkeit der Natur intensiver als je zuvor.
Wie bereits erwähnt, verliebe ich mich jeden Tag ein bisschen mehr in dieses faszinierende Land! Ich kann nur sagen, dass dieses Auslandssemester bisher die beste Entscheidung meines Lebens war. Ich merke selbst, wie sehr sich mein Horizont erweitert und wie stark ich mich weiterentwickle – sowohl an der Universität und in Bezug auf mein Wissen als auch persönlich.
Mal sehen, wohin mich dieses Land noch führen wird und welche Möglichkeiten es mir eröffnet. Ich freue mich darauf, Neues zu entdecken, und bin offen für alles, was auf mich zukommt.