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Dänemark - Kopenhagen

Dänemark - Kopenhagen

Natalie Krieg

Eine Kultur des Vertrauens

Kaffee mit Menschen

Als ich nach Hause zurückkehrte, wurde mir dieser Unterschied noch deutlicher bewusst. Ich meine, wir alle wissen, dass die vergangenen Monate die schwierigsten waren. Aber ehrlich gesagt fühlte es sich während meiner Zeit in Dänemark nicht so an. Möchtet ihr wissen, warum? Dann lasst uns zu einer Zeit zurückkehren, in der niemand von uns damit rechnete, dass uns irgendetwas vor Herausforderungen stellen würde.

Was man nicht mehr braucht, gehört denen, die es brauchen

«Was die Leute nicht mehr brauchen, insbesondere Möbel, wird vor dem Haus auf die Strasse gestellt», erklärt Jørgen, unser internationaler Koordinator. Dabei müsst ihr verstehen, dass es sich nicht um kaputte oder abgenutzte Dinge handelt, sondern um wirklich schöne Sachen! Wenn ihr also eine Matratze braucht, schaut zuerst auf den Trottoirs nach. Beobachtet die Umgebung einfach ein wenig im Voraus, falls jemand ein- oder auszieht. Und ich sage euch: Es ist wirklich erstaunlich, was ich in den vergangenen Monaten alles gefunden habe. Wahrscheinlich hätte ich eine ganze Wohnung einrichten können, wenn ich mir nicht ständig Gedanken darüber hätte machen müssen, wie ich die Sachen nach Hause transportieren sollte.

Mit Vertrauen gewinnt man Herzen

Es war ein Freitagmorgen. Ich sass in meinem Lieblingscafé in Aarhus, «La Cabra», und genoss den besten Flat White, den man sich vorstellen kann. Dort vertraut man den Gästen nicht nur so sehr, dass die heissen Getränke in Tassen im Wert von 35 Euro serviert werden, sondern man darf sie sogar über die Strasse mitnehmen und sich damit auf die Wiese setzen.

Wir würden es beschützen, als wäre es unser eigenes

Wusstet ihr, dass Mütter in Dänemark ihre Babys manchmal im Kinderwagen vor einem Geschäft oder Café stehen lassen, wenn sie kurz hineingehen möchten? Gerade in den gemütlichen, alten Gassen der Stadt sitzen oft Menschen draussen. Wenn das der Fall ist, lässt die Mutter den Kinderwagen samt Baby einfach vor der Tür stehen.

All diese und viele weitere Situationen haben mich überrascht. Ich hätte nie gedacht, dass Vertrauen und Loyalität für mich einmal etwas so Unvertrautes sein könnten. Nachdem ich einige Monate in Dänemark gelebt hatte, wurde mir bewusst, dass die Kultur, aus der ich komme, in vielerlei Hinsicht von grundlegendem Misstrauen geprägt ist. Dabei geht es weniger darum, wie friedliche Zusammenkünfte ablaufen, sondern vielmehr darum, wie Menschen mit angespannten Situationen umgehen.

Während in unserer mitteleuropäischen Kultur Mitgefühl für viele Menschen ganz unten auf der Prioritätenliste steht, bildet es in der dänischen Kultur den Ausgangspunkt. Besonders wenn es darum geht, Probleme anzugehen oder unkomplizierte Wege der Zusammenarbeit zu finden, ist es bemerkenswert, wie selbstverständlich die Menschen einander Vertrauen entgegenbringen und Solidarität zeigen.

Ich habe noch nie erlebt oder davon gehört, dass sich eine dänische Person ihrer grundlegenden Bedürfnisse beraubt gefühlt hätte. Ebenso wenig habe ich Proteste beobachtet oder auch nur den geringsten Anflug von Unverständnis wahrgenommen – weder gegenüber der Regierung noch gegenüber Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern oder der Politik. Niemandem gegenüber.

Wenn ich dagegen hier zu Hause bin, in einer eigentlich vertrauten Umgebung, bin ich überwältigt von solchen ungewohnten Verhaltensweisen.

Kaffee mit Menschen