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Liechtensteins Vereine: Stark verankert, hoch engagiert – aber oft von wenigen Schlüsselpersonen getragen

Liechtensteins Vereine: Stark verankert, hoch engagiert – aber oft von wenigen Schlüsselpersonen getragen

Titelseite und Musterseite Studie Vereinswesen in Liechtenstein

Eine Studie unter Federführung des Centers für Philanthropie der Universität Liechtenstein zeichnet erstmals ein datengestütztes Bild der gemeinnützigen Vereine im Land. Liechtensteins Vereine sind gesellschaftlich fest verwurzelt und fördern Begegnung, Teilhabe und den sozialen Zusammenhalt. Zugleich stehen viele vor wichtigen Zukunftsaufgaben – etwa bei der Nachfolge von Schlüsselpersonen, der Weitergabe von Wissen und der langfristigen Finanzplanung.

Vereine prägen Liechtenstein. Sie bringen Kinder in Bewegung, Musik ins Dorf und Menschen zusammen. Um die Situation des Sektors erstmals umfassend und datengestützt zu erfassen, haben Forschende der Universität Liechtenstein eine Vereinsstudie durchgeführt. Dazu nutzten sie eine Kombination von qualitativen und quantitativen Befragungsmethoden: persönliche Interviews mit Vereinsvertretern, eine Fokusgruppe sowie eine umfangreiche Online-Befragung. Daran nahmen von November bis Dezember 2025 insgesamt 265 Vorstandmitglieder stellvertretend für ihre Vereine teil. Das entspricht einer Rücklaufquote von 44 Prozent. «Die hohe Beteiligung freut mich sehr. Besonders wertvoll sind die offenen Rückmeldungen dazu, was in den Vereinen gut funktioniert und wo die Arbeit schwierig wird», sagt Marc Gottschald, Direktor des Centers für Philanthropie.

Die meisten der befragten Vereine sind seit vielen Jahren aktiv und klein bis mittelgross: Rund 55 Prozent zählen weniger als 50 Mitglieder, 78 Prozent weniger als 100. Kultur und Musik sowie Sport und Bewegung prägen die Vereinslandschaft besonders stark. Am häufigsten bilden fünf bis sechs Personen den Vorstand.

Hohe Abhängigkeit von Schlüsselpersonen 

Der hohe Einsatz einzelner Schlüsselpersonen ist zugleich Stärke und Risiko: 81 Prozent der Vorstandmitglieder gaben an, dass zentrale Leistungen nur dank aussergewöhnlich engagierter Mitglieder möglich sind. Rund 92 Prozent fühlen sich ihrem Verein persönlich verbunden und wollen sich auch in den kommenden zwölf Monaten weiter einbringen. Doch oft fehlen klare Regelungen für Übergaben, Einarbeitungen und Weiterbildung. Scheiden engagierte langjährige Mitglieder aus, drohen dadurch Zukunftsrisiken. Auch bei der mehrjährigen Finanzplanung, der Bildung von Rücklagen, dem Datenschutz und der Wirkungsmessung zeigt die Studie Verbesserungsbedarfe auf.

Die Wissenschaftler unterscheiden ressourcenbelastete, ambitionierte und basisorientierte Vereine: «Die Daten zeigen drei Vereinsprofile mit unterschiedlichen Ausgangslagen. Manche Vereine brauchen vor allem Entlastung bei Verwaltungsaufgaben, andere Unterstützung bei Nachfolge und Wissenstransfer oder Impulse zur organisatorischen Weiterentwicklung. Unterstützung sollte deshalb nicht nach einem einheitlichen Schema erfolgen.», erläutert Julia Tenschert.

«Vereine bereichern das gesellschaftliche Leben in Liechtenstein mit erfreulicher Vielfalt», sagt Christian Frommelt, der Rektor der Universität. «Jetzt liegt erstmals eine fundierte Grundlage zur Standortbestimmung vor, damit Land, Gemeinden, Stiftungen und Verbände ihre Unterstützung gezielt, praxisnah und im Austausch mit den Vereinen weiterentwickeln können. 

Das insgesamt fünfköpfige Autorenteam erkennt einen Bedarf an einfachen administrativen Vorlagen, kurzen Weiterbildungen und unkomplizierten Austauschmöglichkeiten. Es regt unter anderem die Schaffung einer zentralen digitalen Plattform an, die Informationen zu Fördermöglichkeiten und praktische Hilfen bündelt. Entscheidend sei dabei, dass diese Unterstützung den Alltag der Ehrenamtlichen erleichtert und keine zusätzliche Bürokratie schafft.

Die vollständige Studie «Vereinswesen in Liechtenstein – Eine Analyse von Strukturen, Rahmenbedingungen und Entwicklungsperspektiven» ist hier abrufbar: 

Titelseite und Musterseite Studie Vereinswesen in Liechtenstein